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Kann ich visualisieren lernen, wenn ich nicht zeichnen kann?

Visualisieren lernen: Zeichnungen von Seminarteilnehmenden mit Bildvokabeln auf Packpapier

„Ich kann nicht zeichnen.“ Diesen Satz höre ich zu Beginn fast jedes Seminars. Meistens begleitet von einem verlegenen Lachen und einer Geschichte aus der Schulzeit, in der jemand das eigene Bild kritisiert hat.

Meine Antwort: Musst du auch nicht. Zumindest nicht so, wie du es dir vorstellst. Visualisieren im Business hat mit künstlerischem Zeichnen wenig zu tun. Es ist eine Kulturtechnik, ähnlich wie Schreiben. Und die kann jede:r lernen.

Warum der Satz „Ich kann nicht zeichnen“ nicht stimmt

Als Kinder haben wir alle gezeichnet, ohne darüber nachzudenken. Irgendwann hat sich der Maßstab verschoben. Plötzlich ging es darum, ob ein Pferd „richtig“ aussieht. Wer da nicht mithalten konnte, hat aufgehört.

Im Business ist dieser Maßstab der falsche. Niemand erwartet von dir ein realistisches Porträt. Gefragt ist ein Bild, das einen Gedanken verständlich macht: ein Prozess, eine Gegenüberstellung, eine Person mit einer Frage. Dafür reichen Kreise, Linien, Rechtecke und Pfeile. Wer einen Buchstaben schreiben kann, kann auch das.

Bildvokabeln: Das Alphabet des Visualisierens

Beim Schreiben setzt du Buchstaben zu Wörtern zusammen. Beim Visualisieren funktioniert es ähnlich. Statt jedes Mal ein Bild neu zu erfinden, greifst du auf einen Wortschatz einfacher Symbole zurück: Strichfiguren, Glühbirne, Zielscheibe, Uhr, Sprechblase, Pfeil, Treppe.

Diese Bildvokabeln lernst du wie Vokabeln einer Fremdsprache. Erst einzeln, dann in Kombination. Mit der Zeit wächst dein Repertoire, und du musst nicht mehr überlegen, wie du „Ziel“ oder „Idee“ zeichnest. Die Hand weiß es.

Wichtig dabei: Eine Bildvokabel muss nicht schön sein, sondern eindeutig. Wenn alle im Raum erkennen, was gemeint ist, hat sie ihren Zweck erfüllt.

Struktur schlägt Schönheit

Der größte Hebel liegt ohnehin nicht im einzelnen Bild, sondern in der Anordnung. Eine klare Überschrift, eine erkennbare Gliederung, genug Weißraum, ein Rahmen, ein Pfeil an der richtigen Stelle: Damit wird aus einer Ansammlung von Notizen ein Chart, das sich auf einen Blick erschließt.

Viele meiner Teilnehmenden staunen, wie viel professioneller ihre Flipcharts wirken, sobald sie auf Strichstärke, Schriftgröße und Platzeinteilung achten. Gezeichnet haben sie dabei kaum mehr als vorher.

Wie du anfängst

  1. Beginne mit Schrift. Eine gut lesbare Blockschrift in passender Größe ist die halbe Miete.
  2. Lerne fünf Bildvokabeln pro Woche. Such dir Begriffe aus, die in deinem Arbeitsalltag oft vorkommen, und übe sie, bis sie sitzen.
  3. Zeichne die Strichfigur. Eine einfache Figur, die stehen, zeigen und gestikulieren kann, bringt Menschen ins Bild. Und um Menschen geht es fast immer.
  4. Visualisiere im Alltag. Die nächste Besprechungsnotiz, die nächste To-do-Liste, das nächste Telefonat: Ergänze ein, zwei Symbole und eine klare Struktur.
  5. Wiederhole, ohne zu bewerten. Fortschritt entsteht durch regelmäßige Übung, nicht durch das perfekte erste Bild.

Genau dafür gibt es das Graphic Gym: kurze, regelmäßige Übungen, mit denen dein Bildwortschatz Woche für Woche wächst. Das Motto: Zeichnen. Wertungsfrei. Wiederholen. Die ersten Übungen kannst du auf meiner Website kostenlos herunterladen.

Mehr zum Nachlesen

In meinem Buch Visualisieren fürs Business & so. Clever kommunizieren mit dem Stift (BusinessVillage, 2024) zeige ich anhand von neun elementaren Punkten, wie du dich Schritt für Schritt zum Kommunikator mit dem Stift entwickelst, mit vielen konkreten Bildvokabeln zum Nachzeichnen.

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Dein nächster Schritt

Du willst Visualisieren nicht nur ausprobieren, sondern sicher im Business einsetzen, in Workshops, Meetings und Präsentationen? Im Visual Communicator Lehrgang begleite ich dich vom ersten Strich bis zum souveränen Einsatz vor der Gruppe.

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